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Weddingstammtisch – Mai 2015

1Auch im Mai hat ein Stammtisch von engagierten bündnisgrünen Mitgliedern stattgefunden. Am 13. Mai trafen wir uns im Restaurant Dubrovnik am Nettelbeckplatz um in lockerer Atmosphäre über Aktionen im Kiez zu reden.

Im Vorfeld jedes Stammtisches steht eine gemeinsame Aktivität. Diesmal haben wir das ehemalige Krematorium an der Gerichtstraße besucht, welches gerade in einen Kulturcampus umgebaut wird.2

Das ehemalige Krematorium wurde 1911 als erstes Krematorium der Stadt und insgesamt drittes in Preußen erbaut und zeugt vom kulturhistorischen Wandel, der mit der Einführung der Feuerbestattung als alternativer Beisetzungsform einherging.

Das Herzstück des Gebäudekomplexes ist die 17m hohe Trauerhalle mit ihrem achteckigem Grundriss und dem pyramidenförmigen Mansardendach. In die angrenzende Flügelanlage, die den ebenfalls achteckigen Innenhof umschließt, sind, ebenso wie auch auf zwei Ebenen rings um das Innere der Trauerhalle, Kolumbarien eingelassen. Obwohl das Gebäude in seiner Architektur frühchristliche und sakrale Elemente aufweist, finden sich infolge der Abgrenzung zu kirchlichen Praktiken insgesamt wenig religiöse Motive in der Gestaltung des Krematoriums; an zentraler Stelle im Eingangsbereich ist eine Transformation symbolisierende Schlange eingelassen, das Eingangsportal zum Innenhof ist von steinernen Löwen eingerahmt, die Verzierungen der Tore bestehen aus Flammen.4

Das ehemalige Krematorium ist auch ein gutes Beispiel für die oftmals verfehlte Stadtentwicklungspolitik in Berlin. Denn 1997 wurde das Gelände noch unterirdisch vergrößert und von 1999 bis 2001 für 7,5 Millionen DM saniert um es dann 2002 zu schließen. Grund: Parallel zur Sanierung des Weddinger Standortes wurde vom Architekten des Bundeskanzleramtes ein Prestigebau für 31 Millionen Euro in Treptow-Köpenick erschaffen, der den Berliner Landeshaushalt bis 2029 mit jährlich 2,1 Millionen Euro für Zins und Tilgung belastet. Das Krematorium Wedding war damit wegen fehlender Auslastung nutzlos.

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2013 wurde das Krematorium verkauft. Das Konzept des „silent green Kulturquartiers“ erhielt den Zuschlag, seitdem laufen die Umbau- und Renovierungsarbeiten. Die Transformation des Gebäudes in einen unabhängigen und interdisziplinären Standort für Kunst und Kultur ist als Kombination von Büros, Ateliers und Veranstaltungsflächen konzipiert und wird im Sommer 2015 seine Eröffnung feiern.

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